Foto: © Christine Fenzl / Illustration © Udo Schöbel

In meinem Leben kommt immer alles anders als geplant! Als Besatzungskind, mit italienischem Wurzeln, bin ich auf einem amerikanischen Air Base zur Welt gekommen.

Meine Mama ist Römerin, mein Papa neapolitanischer Amerikaner.
Gegen mich ist ein bengalisches Feuerwerk `ne Knallerbse.
Aufgewachsen bin ich bei meiner italienischen Großmutter in Stuttgart.
Meine Omi war Pianistin und somit wurde ich, statt von Disneyland und Rock'n'Roll, von klassischer Musik und Waldorfpädagogik geprägt.

Ich war ein sehr fröhliches Kind und zum Leid meiner Lehrer nicht nur in den Pausen der Clown. Darum wurde ich im zarten Alter von 14 für ein Jahr ins Ausland geschickt, nach Edinburgh. In der Hoffnung, dass ich in Schottland lerne, meine Kräfte richtig zu kanalisieren und mich auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu konzentrieren, wie Geige spielen, Mathematik und Eurythmie.
Geige spiel ich bis heute, aber die hohe Kunst, aus Wurzeln Zahlen zu ziehen, blieb mir verborgen. Und Buchstaben zu tanzen, muss man wollen.
Ich war zwar eine extrem explosive Hormonzeitbombe, aber nicht so gefährlich, dass man mich hätte des Landes verweisen müssen.
Dennoch wurde der Auslandsaufenthalt ein großer Erfolg. Ich hatte gelernt, mit Zunge zu küssen. Und das Beste, ich habe meine Heroes entdeckt – Monty Python!!! Die Weichen für meine Zukunft waren gestellt.

Doch der Weg zum Ziel führt oft über Umwege.
Als Enkelkind einer Künstlerdynastie, wollte meine Omi mir die qualvollen Überlebensängste eines Freiberuflers ersparen und überredete mich, erstmal etwas Vernünftiges zu lernen. Bereits nach acht Monaten habe ich meine Lehre zum „Traumberuf Arzthelferin“ abgebrochen.
Ich hatte mich unsterblich in einen englischen Schlagzeuger verliebt und Sex and Drugs and Rock'n'Roll erschien mir wesentlich reizvoller, als beim Entfernen fremder Hämorrhoiden zu assistieren.
Und so wurde ich Backup Sängerin, zog zu meinem Freund und seiner Band in einen Doppeldecker Bus, tourte von Ami-Club zu Ami-Club durch Deutschland und sammelte meine ersten unvergesslichen Bühnenerfahrungen.
Nach einem verdammt eisig kalten Winter beendete ich das Abenteuer und beschloss, Schauspielerin zu werden.

Im Radio sangen The Clash „London calling“ und ich folgte dem Ruf.
Ich hatte mein gesamtes Erspartes zusammengekratzt und zog in ein besetztes Haus nach Islington.
Wir hatten zwar keinen Putz an den Wänden, aber dafür Bakterien… Die waren so groß, die hätte man locker mit der Schrotflinte abballern können.
Der Flokati wurde nur ausgeschüttelt, um aus den restlichen Krümeln ein schönes Tütchen zu drehen. Und aus der Anlage dröhnte: „This is the heavy, heavy monster sound.“ – Ich spreche von 1978, der Zeit des Punks.
Was für eine wundervolle Zeit. Stunden hat’s gebraucht, bis ich scheiße genug aussah, um das Haus verlassen zu können.
Trotz diverser Jobs wurde das Geld knapp. Die Theater- und Clown-Workshops waren teuer, das besetzte Haus musste geräumt werden und ich sah inzwischen aus wie die Bulimiekönigin von Islington.
Also ging ich zurück nach Deutschland, bewarb mich in München an der Schauspielschule und wurde tatsächlich aufgenommen.
Meine Darbietung der verhungerten Natascha aus Maxim Gorkis „Nachtasyl“ überzeugte. Kein Wunder!
In Bayern hab ich zwar wieder ordentlich aufgespeckt, aber etwas fehlte. Ich wusste nur nicht, was. Bis ich in den großartigen Clown Jango Edwards auf der Bühne wirbeln sah. Schlagartig war mir klar: Das ist, wonach du suchst – Comedy, Anarchie und Rock'n'Roll!

Kurz darauf lernte ich das Clown-Duo Roland Baisch und Bernd Schray kennen und gemeinsam gründeten wir das „Scherbentheater.“
1987 entstand daraus die legendäre Comedygruppe Shy Guys.
Als Frontfrau beider Ensembles bin ich 18 Jahre lang durch ganz Europa, Kanada und Amerika getourt, hab auf vielen internationalen Festivals gespielt und in diversen Theaterprojekten mitgewirkt.

Seit 2007 bin ich solo auf Tournee, mit meinen Programmen:
„Miss Verständnisse“ „Wahn.Sinn - zu alt für Limbo zu jung zum Sterben“ und „Bissfest- Dolce Vita im Sparschwein.“

Wenn sie über mein Leben mehr wissen wollen, dann kommen Sie doch einfach zu mir ins Theater.
Zum Abschluss kann ich nur sagen, ich bin überaus glücklich diesen, meinen Weg, gegangen zu sein. Nichts ist schöner, als Menschen lachen zu sehen!
Und was gibt es Besseres, als die tragischen und komischen Momente im Leben verarbeiten zu können und auch noch dafür bezahlt zu werden?!

Danke an all die wundervolle Kollegen die mir ihr Vertrauen schenken und mich seit Jahren als Coach und Regisseurin für ihre Shows und Programme holen.

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