Am 10. August 1957 wurde ich als amerikanisches Besatzungskind geboren.
Meine Mama ist Römerin, mein Papa neapolitanischer Amerikaner. – Gegen mich ist ein bengalisches Feuerwerk `ne Knallerbse.
Als Spagettifresserin bin ich zwischen lauter Maultaschen bei meiner italienischen Großmutter in Stuttgart aufgewachsen. Das war quasi „la dolce vita“ in der Sparbüchs.
Meine Omi war Pianistin und somit wurde ich, statt von Disneyland und Rock'n'Roll, von klassischer Musik und Waldorfpädagogik geprägt.
Ich war ein sehr fröhliches Kind und zum Leid meiner Lehrer nicht nur in den Pausen der Clown. Darum wurde ich im zarten Alter von 14 für ein Jahr ins Ausland geschickt, nach Edinburgh. In der Hoffnung, dass ich in Schottland lernen würde, meine Kräfte richtig zu kanalisieren und mich auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu konzentrieren, wie Mathematik, Geige spielen und – Eurythmie.
Aber die hohe Kunst, aus Wurzeln Zahlen zu ziehen, blieb mir verborgen. Und Buchstaben zu tanzen, muss man wollen.
Ich war zwar eine extrem explosive Hormonzeitbombe, aber nicht so gefährlich, als dass man mich gleich des Landes hätte verweisen müssen.
Dennoch wurde der Auslandsaufenthalt ein großer Erfolg. Ich hatte gelernt, mit Zunge zu küssen, wie man einen guten Joint dreht und, zum Entsetzen meiner Englischlehrerin, fließend schottisch zu parlieren. Und das Beste: Ich hatte meine Heroes entdeckt – Monty Python!!!
Die Weichen für meine Zukunft waren gestellt.
Doch der Weg zum Ziel führt oft über Umwege.
Als Enkelkind einer Künstlerdynastie, wollte meine Omi mir die qualvollen Überlebensängste eines Freiberuflers ersparen und überredete mich, erstmal etwas Vernünftiges zu lernen. Aber schon nach acht Monaten brach ich meine Lehre zum „Traumberuf Arzthelferin“ ab. Ich hatte mich unsterblich in einen englischen Schlagzeuger verliebt und Sex and Drugs and Rock'n'Roll erschien mir wesentlich reizvoller, als beim Entfernen fremder Hämorrhoiden zu assistieren.
Und so wurde ich Backup Sängerin, zog zu meinem Freund und seiner Band in einen Doppeldecker Bus, tourte von Ami-Club zu Ami-Club durch Deutschland und sammelte meine ersten unvergesslichen Bühnenerfahrungen.
Nach einem verdammt kalten Winter beendete ich das Abenteuer allerdings und beschloss, endlich Schauspielerin zu werden.
Im Radio sangen The Clash „London calling“ und ich folgte dem Ruf.
Ich hatte mein gesamtes Erspartes zusammengekratzt und zog zu befreundeten Musikern in ein besetztes Haus nach Islington.
Wir hatten zwar keinen Putz an den Wänden, aber dafür Bakterien… Die waren so groß, die hätte man locker mit der Schrotflinte abballern können.
Der Flokati wurde nur ausgeschüttelt, um aus den restlichen Krümeln ein schönes Tütchen zu drehen. Und aus der Anlage dröhnte: „This is the heavy, heavy monster sound!“ – Ich spreche von 1978, der Zeit des Punk.
Was für eine anstrengende Zeit. Ich habe Stunden gebraucht, bis ich scheiße genug aussah, um das Haus verlassen zu können.
Trotz diverser Jobs als Barkeeperin wurde das Geld knapp. Die Theater- und Clown-Workshops waren teuer, das besetzte Haus musste geräumt werden und ich sah inzwischen aus wie die Bulimiekönigin von Islington.
Also ging ich zurück nach Deutschland, bewarb mich in München an der Schauspielschule und wurde tatsächlich aufgenommen.
Meine Darbietung der verhungerten Natascha aus Maxim Gorkis „Nachtasyl“ überzeugte. Kein Wunder!
In Bayern hab ich zwar wieder ordentlich aufgespeckt, aber etwas fehlte. Ich wusste nur nicht, was. Bis ich in Berlin den großartigen Clown Jango Edwards, mit seiner Band Friends Roadshow auf der Bühne wirbeln sah. Schlagartig war mir klar: Das ist, wonach du suchst – Comedy, Anarchie und Rock'n'Roll!
Kurz darauf lernte ich das Clown-Duo Roland Baisch und Bernd Schray kennen und gemeinsam gründeten wir das „Scherbentheater.“ 1987 entstand daraus die Comedygruppe Shy Guys.
Warum ausgerechnet Shy? Brachial Guys wäre passender gewesen. Wir waren eher die Abteilung laut und deutlich und haben bis Ende 1997 sämtliche Strassen und Bühnen unsicher gemacht.
Als Frontfrau beider Ensembles bin ich 18 Jahre lang durch ganz Europa, Kanada und Amerika getourt, hab auf vielen internationalen Festivals gespielt und in diversen Theaterprojekten mitgewirkt.
Seit 2007 bin ich nun solo auf Tournee, mit meinen beiden Programmen:
„Miss Verständnisse“ und „Wahn.Sinn – zu alt für Limbo zu jung zum Sterben.“
Wenn sie über mein Leben mehr wissen wollen, dann kommen Sie doch einfach zu mir ins Theater, da wird Ihnen geholfen!
Zum Abschluss kann ich nur sagen, ich bin überaus glücklich, diesen, meinen Weg, gegangen zu sein. Nichts ist schöner, als Menschen lachen zu sehen!
Und was gibt es Besseres, als die tragischen und komischen Momente im Leben verarbeiten zu können und auch noch dafür bezahlt zu werden?!
Dank mutiger Regisseure, Redakteure und Produzenten, die unkonventionelle Personen wie mich besetzen, bin ich auch in vielen deutschen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Zudem schreibe und führe ich für Kollegen Regie.